St. Remigius - Altarraum

Der neue Altar der St. Remigius-Kirche

Als zu Beginn der 80er Jahre der Innenraum der Remigiuskirche von Grund auf erneuert war, wurden damit die durch das 2.Vatikanische Konzil erneuerte Liturgie und ihre Richtlinien auch für unseren Kirchenraum maßgebend. Wichtige Stichworte dieser Erneuerung sind: die deutsche Liturgiesprache, das Sichtbarwerden der um den Altar versammelten Gemeinde, die Ausfächerung der Aufgaben und Dienste in der Feier der Liturgie, die Trennung von Altar und Tabernakel und als zentrale Orte des liturgischen Geschehens der Altar und Ambo.
Damals entschloss man sich, die neue Einrichtung des Altarraumes provisorisch zu gestalten, um Erfahrungen mit der Raumwirkung der erneuerten Liturgie zu sammeln. Den historischen Kirchenraum an die neuen Erfordernisse anzupassen bedeutete ein Gratwanderung.
Seit 1988 haben dann Gemeindemitglieder und Fachleute darüber nachgedacht, wie sich die erneuerte Liturgie auf Dauer in unserem Kirchenraum widerspiegeln kann. Dabei reifte die Erkenntnis, in mehreren Abschnitten vorzugehen. Zunächst sollte der Altarraum, dann der Chorraum und schließlich die alte Sakristei gestaltet werden.
Altar, Ambo, Vorstehersitz und Sitzbank für die liturgischen Dienste als zentrale Einrichtung des Kirchengebäudes sind entworfen von Professor Heinz Döhmen aus Viersen, der auch für die Restaurierung der Kirche zu Beginn der 80er Jahre als Architekt verantwortlich zeichnete. Die Ausführung der Entwürfe besorgte der Steinmetz Manfred Stienen von der Firma Rombach in Aachen-Haan.
Als Material findet der Aachener Blaustein Verwendung, aus dem auch die Säulen der Remigiuskirche gefertigt sind. Für die Tischplatte des Altars, die Buchauflage des Ambo und den Vorstehersitz wurde italienischer Marmor namens Bardiglio ausgewählt.
Mit der Wahl von zwei Materialien für Altar und Ambo werden diese konzentriert und reduziert auf das, wofür sie geschaffen sind:
der Tisch des Brotes und der Tisch des Worte
Der Altar ist der Mittelpunkt der Danksagung, die sich in der Eucharistie vollzieht. Um ihn versammelt sich die eucharistische Gemeinde. Darum wird der Altar als Sinnbild Jesu Christi gesehen: der Altar ist Christus. Der aus einem Block geschnittene Stein ist so zusammengefügt, dass sich darin invers ein Kreuz abbildet. Was wir auf dem Tisch in den Zeichen von Brot und Wein feiern, hat sein Fundament und seine Quelle im Zeichen des Kreuzes, im Zeichen des Leidens und Sterbens, im Zeichen der Lebenshingabe, im Zeichen der Erlösung, im Zeichen unseres Heils.
In der ganzen Zurückhaltung zeitgenössischer religiöser Ausdrucksformen wird die Einheit des einzigartigen Opfers Jesu Christi und seine im eucharistischen Mahl gegenwärtige Gestalt sichtbar.
Der Tradition folgend sind in der Mitte unter dem Altar die Reliquien des hl. Polycarp, des hl. Mauritius und seiner Gefährten, des hl. Bonifatius und seiner Gefährten und des hl. Engelbert vom vorigen Altar übertragen und beigesetzt worden.
Mit dem neuen Ambo wurde ein dem Altar entsprechender, würdiger Ort der Verkündigung des Wortes Gottes geschaffen. Dazu korrespondierend steht die Wand hinter dem Vorstehersitz, die den zum Chorraum offenen Altarraum hält und den Altar auch optisch die Mitte einnehmen lässt.
Der Vorstehersitz und die Sitzbank für die liturgischen Dienste der Messdiener, Lektoren und Kommunionhelfer sind so angeordnet, dass sie das optische Gesamtbild ergänzen und für ihre liturgischen Funktionen geeignet sind.




Das gesamte Ensemble ist nicht einer rustikalen Behaglichkeit verpflichtet, sondern der strengen Linienführung, die die gesamte Architektur unserer Kirche auszeichnet. Darin verbinden sich historischer Kirchenraum und moderner Altarraum.

Der Chorraum

In einem ersten Schritt sind klappbare Sitzbänke für nicht-eucharistische Gottesdienste wie Meditationen, Andachten, und Morgenlob geschaffen worden, die im Bedarfsfall auch als Stufentreppe für die gottesdienstliche Mitwirkung des Kirchenchores genutzt werden.

Die Ausgestaltung unserer Pfarrkirche

Rechtzeitig vor dem Osterfest 2004 konnten in unserer Remigiuskirche die Arbeiten im Chorraum und in der Alten Sakristei zu einem Abschluss gebracht werden. Die Alte Sakristei beherbergt nun das Allerheiligste im Tabernakel, welcher durch den Durchbruch in der Wand zum nördlichen Seitenschiff sichtbar bleibt. Nach den Sanierungsarbeiten an Wänden und Fenstern der Apsis begann die Ausmalung nach den Plänen des in Viersen lebenden Künstlers Georg Ettl.
Lange währte die Suche nach Gestaltungsformen für die Apsis, die der strengen spätgotischen Gestalt des Kircheninneren gerecht werden und sich zugleich harmonisch mit den vorhandenen Chorraumfenstern zusammenfügen. Die intensiv geführte Diskussion führte schließlich zur Annahme des von Georg Ettl vorgelegten Entwurfs, der nun ausgeführt wurde.

Bereits am 21. März 2004 hatten alle Interessierten bei einer Führung nach der Familienmesse die Gelegenheit, den Künstler zu seinem Werk zu befragen. Inzwischen - nach dem Abbau des Gerüstes - ist die ungehinderte Sicht auch auf alle Details der beeindruckenden Wandmalerei möglich, wobei vom Kirchenschiff aus vor allem die drei großen Bilder im Hintergrund ins
Auge fallen.

Sie zeigen, bewusst und dennoch behutsam verknüpft mit den darüber befindlichen Fenstern, drei alttestamentliche Szenen, die das Opferthema ins Zentrum rücken, der Altar, der Tisch des Brotes, wird hergeleitet aus seinen Wurzeln. Das linke Bild zeigt Abraham, voll Gottvertrauen zum Brandopfer seines einzigen Sohnes bereit. Auf der gegenüberliegenden Seite steht der Prophet Elija, der im Wettstreit mit den Dienern des Baal liegt. Gott sendet als Zeichen seiner Existenz Feuer vom Himmel herab und entzündet den Opferstier.

In der zentralen Altarszene unterhalb des Mittelfensters kehrt Abraham siegreich heim.
Melchisedek, König und Priester, bringt Brot und Wein, er segnet Abraham und lobt Gott.
Kleinteiliger und differenzierter entfalten sich an den beiden Seitenwänden Szenen aus dem
Leben unseres Pfarrpatrons, des heiligen Remigius.

Weitere Einzelheiten können Sie der Dokumentation entnehmen,
die zum Preis von 4 Euro + Versandkosten zugesandt wird.
Texte: Pfarrbriefe September 1999 und Mai 2004
Fotos: Nr. 1 – 4: Herbert P. Tichy, Nr. 5: Michael Grundmann