St. Remigius - Baugeschichte

Baugeschichte in Daten und Fakten:

8./9. Jh.  

Fränkische Saalkirche, älteste, bisher nachgewiesene Steinkirche, mit einer Länge von 17 m und einer Breite von 8,90 m, mit eingezogenem Rechteckchor.

 

1181/82

Dreischiffige romanische Pfeilerbasilika. Urkundliche Erwähnung 1185, in einer Urkunde des St. Gereonstiftes zu Köln, zu dessen ältesten Besitzungen Viersen gehörte. Der romanische Kirchenbau war 29 m lang und 13 m breit.

 

14 Jh.

Erste Umbauten zu einer frühgotischen Kirche, die aber nicht zu Ende geführt wurden. Der Turm der heutigen Pfarrkirche ist noch aus dieser Zeit (1350), und ist damit 100 Jahre älter als der übrige Kirchen.

 

15 Jh.

Der heutige spätgotische Kirchenbau stammt nach dem Baubefund und einer schriftlichen Überlieferung von 1484, aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts.

 

16. Jh.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts Fertigstellung des nördlichen Seitenschiffes. Die Größe der heutigen Kirche beträgt : Länge - 38,30 m, Breite - 24 m

 

19.07.1699

Einsturz der Kirche durch brüchigen Pfeiler im nördlichen Seitenschiff. Erhalten blieben: Chor, Turm und ein Teil des südlichen Seitenschiffes.

 

1704

Die Kirche war wiederhergestellt. Dies wurde ermöglicht, durch umfangreiche Spenden und Kollekten.

 

ca. 1840

Abbruch des Kuhr- oder Nachtwächterhauses, das an der Außenmauer des südlichen Seitenschiffes angebaut war und das einen eigenen Zugang in die Kirche hatte.

 

1859 - 1867

Erneuerung des Langhauses und Renovierung der Pfarrkirche nach Plänen von Vinzenz Statz.

 

1895

Der gewaltige Westturm wurde durch den Düsseldorfer Architekten Kleesattel restauriert, und ganz mit hellem Tuffstein verkleidet. Vor der Restaurierung von 1895/97 war der Turm nur zu 2/3 mit Tuffstein ummantelt. Der Turm (1350) besteht ganz aus Feldbrandziegelmauerwerk.
Im Dachgeschoss über dem Langhaus ist noch das ursprüngliche Mauerwerk vom Gewölbe bis zum Dach des Mittelschiffes sichtbar. Bei der o.a. Restaurierung wurde an der Westseite des Turmes - unterhalb der Galerie - die Jahreszahl 1 8 9 5 -angebracht. Diese Jahreszahl hat nichts mit dem Alter des Kirchenbaues zu tun.

 

1897/98

Zu beiden Seiten des Turmes wurden Treppenhausbauten für den Aufgang zur damaligen Orgel ausgeführt. Zu diesem Zweck wurden die beiden Seitenschiffe jeweils um 3,50 m nach Westen verlängert. Gleichzeitig wurden die beiden Westseiten der Seitenschiffe mit Reliefgruppen des Aachener Künstlers und Bildhauers Piedboeuf ausgestattet. Nördl. Seitenschiff: Ölbergszene, südl. Seitenschiff: Kreuzigung.

 

1930

Läuteverbot wegen Einsturzgefahr.

 

05.10.1930

Polizeilich angeordnete Schließung 1930 der Kirche, wegen starker Risse im Mauerwerk. Umfassende Sanierung und am 23.12. des gleichen Jahres Wiedereröffnung der Kirche.

 

24.02.1945

Zerstörung der Kirche durch Brand- und Sprengbomben (Dächer, Gewölbe, Innenausstattung).

 

1946/47

Wiederaufbau der Kirche durch den damaligen Dechant Frenken nach Plänen des Regierungsbaumeisters Wilhelm Hartmann, Köln.

 

25.09.1949

Feierliche Weihe der wiedererstellten Pfarrkirche.

 

1951/54

Einbau der neuen Glasfenster nach Entwürfen des Honnefer Kunstmalers Eduard Horst und erstellt in der Glasmalereiwerkstatt Dr. Oidtmann in Linnich.

 

27.12.1952

Vollendung des neuen Turmhelmes. Höhe des Turmes mit Helm: 61,30 m. Der im Krieg zerstörte Turmhelm war wuchtiger als der heutige, da er insgesamt noch mehr als 6 m höher war. Die damalige Gesamthöhe betrug ca. 68 m.

 

31.10.1952

Erstes Geläut der fünf nach dem 1953 Krieg neu angeschafften Glocken. Fast alle Glocken waren im 2.Weltkrieg beschlagnahmt und weggeschafft worden, bis auf die Marienglocke von 1506, gegossen von Jan van Venlo und das Glöckchen im Dachreiter, das man bei der Beschlagnahme einfach "vergessen" hatte. Eine zweite Glocke von 1526 hatte auf einem Sammelplatz die Kriegswirren überstanden und kam von dort zurück. Leider fiel das Glöckchen im Dachreiter den Bomben zum Opfer.

 

1982/84

Umbau im Innern der Kirche, mit archäologischer Untersuchung. und Aufdeckung der Grundmauern der gesamten romanischen Basilika und des Fundes der fränkischen Saalkirche, sowie der Freilegung von 27 Bestattungen, davon 6 Priestergräber.

 

1984

Einbau der neuen "Woehl-Orgel".

 

2004

Abschluß der Umgestaltung des Altarraumes zur heutigen Form.

 

 

Zusammenstellung: Heinz und Margret Hesse

Weiterführende Literatur:
Lohmann, F.W.:
Geschichte der Stadt Viersen, Viersen 1913

Frenken, G.:
Geschichte der Kirche und Pfarre zum hl. Remigius Viersen 1963

Heinz und Margret Hesse:
Zur Geschichte der Pfarrkirche St. Remigius in Viersen, in Archäologie in Viersen, Viersen 1991